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Primärversorgung neu denken …

VDB-Bericht: AOK-Tag in Dortmund – Primärversorgung neu denken, aber nicht zu Ende gedacht!

… aber nicht zu Ende gedacht!

AOK-Tag in Dortmund | 03.09.2026

VDB-Bundesvorsitzender André Laufer nahm am AOK-Tag „Primärversorgung neu denken, politische Ziele und praktische Umsetzung“ der AOK NordWest in Dortmund teil. Auf dem Podium diskutierten Tom Ackermann von der AOK NordWest, Dr. Jan Böcken von der Bertelsmann Stiftung, Prof. Dr. Margarete Halek von der Universität Witten/Herdecke sowie Dr. Klaus Reinhardt von der Bundesärztekammer über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war eine ernüchternde Datenlage. Ein Viertel der Hausärztinnen und Hausärzte plant, die eigene Tätigkeit in den kommenden fünf Jahren zu beenden. Zugleich ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der Hausarztpraxis seit 2012 spürbar gesunken. Die Konsequenz, die auf der Bühne gezogen wurde, war eindeutig. Ohne strukturelle Entlastung droht eine dauerhafte Verknappung hausärztlicher Kapazitäten.
Als Lösungsansatz stand vor allem die Neuorganisation der Versorgung rund um Medizinische Versorgungszentren im Mittelpunkt. Aufgaben sollen künftig stärker delegiert werden, etwa an Physician Assistants oder an Pflegekräfte mit entsprechender Aufbauqualifikation.

Diskussion unvollständig

Aus Sicht des VDB blieb die Diskussion an einem entscheidenden Punkt unvollständig. Der interprofessionelle Austausch fand faktisch nicht statt. Heilmittelerbringer wurden in der Debatte um Entlastung und Neuorganisation nicht als eigenständiger Teil der Lösung mitgedacht. Der Direktzugang wurde zwar am Rande erwähnt, spielte im vorgestellten Versorgungsmodell jedoch keine erkennbare Rolle. Die Zuweisungslogik blieb durchgehend in ärztlicher Hand. Auch dort, wo Kompetenzen übertragen werden sollen, orientiert sich das Modell eher an pflegerischen Aufbauqualifikationen als an der eigenständigen physiotherapeutischen Profession.

Fragerunde

In der anschließenden Fragerunde wurde immerhin deutlich festgehalten, dass die Physiotherapie gerade bei orthopädischen Fragestellungen bereits heute gut aufgestellt ist. Verwiesen wurde dabei auf die Erfahrungen, die im Rahmen des sektoralen HP in der Physiotherapie im privaten Sektor bereits gesammelt werden konnten. Ein Hinweis darauf, dass das fachliche Potenzial der Profession durchaus gesehen wird, auch wenn es im vorgestellten Versorgungsmodell noch nicht konsequent mitgedacht wurde.

Unser Fazit

Der VDB sieht darin eine verpasste Chance. Eine tragfähige Neugestaltung der Primärversorgung wird ohne die konsequente Einbindung aller Gesundheitsfachberufe nicht gelingen. Der Verband wird das Thema in den politischen Gesprächen der kommenden Wochen weiter adressieren.