Da dieser immer noch gerne angeführt wird, stellen wir das nochmal raus:
Kritik am Barmer-Heilmittelreport 2024 bestätigt
Bundesamt für Soziale Sicherung beanstandet wesentliche Punkte
erschienen am 05.05.2025
Unser VDB-Physiotherapieverband e.V. sieht sich in seiner Kritik am Barmer-Heilmittelreport 2024 (Schmitt & Wende, 2024) weitgehend bestätigt. Das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als zuständige Aufsichtsbehörde hat sich mit dem Report intensiv befasst und in zentralen Punkten Beanstandungen gegenüber der Barmer geäußert. Damit wird deutlich: Die Einwände des VDB waren berechtigt.
Der VDB hatte bereits frühzeitig auf irreführende Darstellungen im Heilmittelreport der Barmer hingewiesen und die Datengrundlage des Reports öffentlich in Frage gestellt. Nun hat das BAS bestätigt, dass es inhaltlich viele der von uns vorgetragenen Kritikpunkte teilt, auch wenn kein formaler Rechtsverstoß festgestellt werden konnte (up unternehmen praxis, 2025).
Seit der Fusion mit der GEK im Jahr 2010 veröffentlicht die Barmer einen jährlichen Bericht über die Versorgung der Versicherten mit Hilfs- und Heilmitteln. In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt des Berichts sehr einseitig in Richtung einer politischen Agenda verschoben, die schwerpunktmäßig die Ausgabensteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung darstellt. Dabei häuften sich zuletzt offensichtliche und bewusste Fehldarstellungen, die ein ebenso verzerrtes wie schlechtes Bild auf die Heilmittelbranche werfen, insbesondere auf die Inhaberinnen und Inhaber ambulanter Praxen, die als Unternehmerinnen und Unternehmer tagtäglich die Versorgung sicherstellen.
In ihrem aktuellen Heilmittelreport kritisiert die Barmer beispielsweise die Gehaltsentwicklungen angestellter Physiotherapeuten im ambulanten Bereich. Diese seien laut Barmer im Zeitraum von 2017 bis 2022 lediglich um 29,4 Prozent gestiegen, während die Umsätze der Praxen im selben Zeitraum um 57,8 Prozent zugenommen hätten (Gelbe Liste, 2025). Der Absicht des Gesetzgebers, durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und den daraus resultierenden Gehaltserhöhungen dem Fachkräftemangel zu begegnen, sei laut Report nicht nachgekommen worden. Vielmehr hätten die Gesetzesänderungen im Heilmittelbereich zu einem massiven Kostenanstieg in der gesetzlichen Krankenversicherung geführt, jedoch zentrale Ziele verfehlt – dies, obwohl die GKV-Ausgaben für Heilmittel binnen weniger Jahre um bis zu 80 Prozent gestiegen seien (Barmer, 2024).
Diese Behauptungen hatten wir als VDB von Beginn an deutlich zurückgewiesen und die von der Barmer verwendete Datengrundlage scharf kritisiert. Auch das BAS beanstandet nun, dass die für die Bewertung der Gehaltsentwicklung relevanten Zahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) im Report gänzlich fehlen (up unternehmen praxis, 2025). Dies stelle einen Mangel an der Richtigkeit der Information dar, ein Befund, der unsere Position unmittelbar stützt.
Auch die Einschätzung, dass nicht-therapeutische Angestellte deutlich höhere Gehaltszuwächse erhalten hätten und dies die Unterschiede zum Entgeltatlas erkläre, wird vom BAS als eher abwegig bewertet. Diese Aussage hatte der Autor des Barmer-Heilmittelreports, Nikolaus Schmitt, auch im Rahmen eines Interviews mit der Fachzeitschrift pt vertreten und dabei trotz der Kritik der Verbände an einer Diskrepanz zwischen den Therapeutengehältern im stationären und ambulanten Bereich festgehalten (pt Zeitschrift für Physiotherapeuten, 2024).
Weitere Kritik des VDB
Unsere weitere Kritik als VDB, dass die Barmer Vergütungssteigerungen mit Umsatzsteigerungen gleichsetzt, ohne andere Kostenfaktoren wie Raum- und Sachkosten zu berücksichtigen, hält das BAS für nicht unbegründet. Bereits die damalige Staatssekretärin Sabine Dittmar hatte in einer schriftlichen Antwort an den Bundestag Bedenken geäußert, ob es zielführend sei, die im Heilmittelreport verwendeten Daten ohne Berücksichtigung weiterer Faktoren zueinander in Bezug zu setzen (BED e.V., o. J.). Gerade diese Vermischung war es, die der Verband seit Beginn als methodisch fragwürdig eingestuft hatte, da sie das unternehmerische Risiko und die tatsächlichen Kostenstrukturen der Praxen ausblendet.
Die intensive Auseinandersetzung des BAS mit dem Barmer-Heilmittelreport zeigt, dass unsere Kritik fundiert und gerechtfertigt war. Es ist ein wichtiges Signal für die gesamte Branche, dass Verzerrungen und Einseitigkeiten in öffentlichen Gesundheitsberichten nicht unwidersprochen bleiben. Für die Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber, die wir vertreten, ist diese Bestätigung mehr als eine formale Randnotiz. Sie zeigt, dass sich unternehmerisches Engagement und konsequentes Einstehen für die eigenen Interessen auszahlen.
Ergebnis
Auf Basis der Beanstandungen des BAS hat die Barmer den Heilmittelreport 2024 überarbeitet und eine korrigierte Version veröffentlicht (BIFG, 2024). Zudem hat die Barmer angekündigt, im laufenden Jahr keine Fortsetzung der Gehaltsanalyse im Heilmittelreport vorzunehmen. Für mögliche zukünftige Veröffentlichungen wurde eine Vorab-Abstimmung mit dem BAS vereinbart. Wir werden diesen Prozess weiterhin kritisch begleiten und uns dafür einsetzen, dass künftige Reports der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage der Praxen gerecht werden.
Euer VDB-Bundesvorsitzender
André Laufer
Quellen:
Barmer. (2024). Meldungen 2024. https://www.barmer.de/politik/meldungen/2024-meldungen
BED e.V. (o. J.). BARMER Heilmittelreport 2024. https://www.bed-ev.de/artikel/artikel.aspx?id=8911
Bertelsmann Institut für Gesundheitssystemforschung [BIFG]. (2024). BARMER Heil- und Hilfsmittelreport 2024. https://www.bifg.de/publikationen/reporte/heil-und-hilfsmittelreport-2024
Gelbe Liste. (2025, 12. Mai). Bundesamt rügt Aussagen im BARMER Heilmittelreport. https://www.gelbe-liste.de/politik-verbaende/bundesamt-ruegt-barmer-heilmittelreport
pt Zeitschrift für Physiotherapeuten. (2024). Kritik an Barmer Heilmittelreport. https://physiotherapeuten.de/news/2024/10/kritik-an-barmer-heilmittelreport/
Schmitt, N., & Wende, D. (2024). Heilmittelreport 2024. Bertelsmann Institut für Gesundheitssystemforschung. https://www.bifg.de/media/dl/Reporte/Heil-und-Hilfsmittelreporte/2024/barmer-heilmittelreport-2024.pdf
up unternehmen praxis. (2025, 1. Mai). Bundesamt für Soziale Sicherung bestätigt Kritik am BARMER Heilmittelreport. https://www.up-aktuell.de/aktuell/2025/05/bundesamt-fuer-soziale-sicherung-bestaetigt-kritik-am-barmer-heilmittelreport/
Bild: istockphoto.com / anyaberkut

