Offener Brief Gesundheitsfachberufe
zum Fachdialog Primärversorgung
an Frau Ministerin Warken – Bundesministerium für Gesundheit
Sehr geehrte Frau Ministerin Warken,
mit großem Interesse verfolgen die unterzeichnenden Institutionen aus den Gesundheitsfachberufen und dem Rettungswesen die Debatten rund um das Thema Primärversorgungssystem und Ihre wiederholte Zusage, dass nicht nur ärztliche Leistungserbringende, sondern auch die weiteren Gesundheitsfachberufe eine wichtige Rolle in diesem neuen System spielen sollen.
Diese Zusage begrüßen wir sehr und halten es sogar für absolut unumgänglich, die Rolle der Gesundheitsfachberufe in einem tragfähigen Primärversorgungssystem deutlich zu stärken. Nur so kann den Herausforderungen der fortschreitenden Zentralisierung und des demografischen Wandels – der auch die medizinischen Berufe, insbesondere die ärztliche Versorgung, betrifft – sowie der notwendigen Stärkung der Präventionsarbeit Rechnung getragen werden. Eine gute funktionierende Primärversorgung, die alle Berufsgruppen einbezieht, ist zudem die beste Voraussetzung für die notwendige Entlastung des Rettungswesens. Nur gemeinsam kann es gelingen, die großen Herausforderungen zu meistern.
Allerdings verfolgen wir den laufenden Fachdialog Primärversorgung mit großer Besorgnis. Wir sehen die Einbindung der Vertretungen der Krankenkassen, der Kliniken und der ärztlichen Berufe sowie von Betroffenenverbänden. Was aber fehlt, ist eine tatsächliche Beteiligung der vielen Leistungserbringer:innen der Gesundheitsfachberufe, die im Rahmen der medizinischen, geburtshilflichen und therapeutischen Versorgung elementar für das Gesundheitssystem sind.
Im Gesundheitssektor arbeiten mehr als 6,2 Millionen Menschen, die professionell die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Davon sind nur rund 500.000 Personen Ärzt:innen. Es ist an der Zeit, auch die weiteren Leistungserbringer:innen einzubeziehen.
Wir begrüßen, dass der Deutsche Pflegerat (DPR) in den Fachdialog eingebunden zu sein scheint. Die Pflegeberufe stellen einen zentralen Baustein für ein funktionierendes Primärversorgungssystem dar. Deswegen sehen wir es kritisch, dass der DPR nicht an allen Veranstaltungen beteiligt ist.
Wir kritisieren zudem ausdrücklich, dass bislang außer der Pflege weitere maßgebliche Berufsverbände auf Bundesebene der Bereiche Hebammen und Heilmittel sowie der weiteren Gesundheitsberufe nicht einbezogen wurden. Weder die Pflege noch Hebammen, Gesundheitstechniker:innen und analytiker:innen, Orthoptist:innen, sowie Vertreter:innen der Physiotherapie, Ergotherapie, Podologie, Ernährungstherapie, Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie – um nur einige Beispiele zu nennen – sind aktuell ausreichend an der wegweisenden Entwicklung eines tragfähigen Primärversorgungssystems beteiligt.
Anstatt einer direkten Beteiligung, durch die unmittelbar unsere gemeinsame Expertise und das große Potenzial aller Berufsgruppen einfließen und eine zukunftsfähige Versorgung gestaltet werden kann, sind wir als maßgebliche Vertretungen der Leistungserbringer:innen gezwungen, den Prozess abseits in den Medien zu verfolgen.
Sehr geehrte Frau Ministerin Warken,
wir möchten Sie bei Ihrem Wort nehmen und Sie auffordern, die versprochene “frühzeitige Beteiligung aller Akteure” tatsächlich sicherzustellen. Reden Sie nicht über, sondern direkt mit uns.
Wir benötigen ein klares Zeichen aus dem BMG, wann und in welcher Form die weiteren Gesundheitsfachberufe in diesen wichtigen Prozess mit eingebunden werden und wie wir unsere Perspektiven und Vorschläge in den laufenden Dialog einbringen können.
Verzichten Sie nicht auf die Expertise
… der Gesundheitsfachberufe in diesem Land und beziehen Sie uns als gleichwertige Partner:innen auf Augenhöhe ein. Primärversorgung kann nur gemeinsam gelingen, wenn jede Berufsgruppe entsprechend ihres professionellen Potenzials einbezogen ist und wirken kann.
Gerne stehen wir Ihnen für einen Gesprächstermin zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich mit einer Rückmeldung an .
Alle beteiligten Verbämde:
Hier finden Sie das komplette Schreiben zum Download.

